Was müssen wir tun, damit wir nicht abgehängt werden, Herr Winter?
Interview mit dem langjährigen Abgeordneten und Kreisrat Georg Winter zur Situation der Verkehrsinfrastruktur im Landkreis Dillingen.
SIEGFRIED NÜRNBERG: Herr Winter, Sie haben 33 Jahre als Abgeordneter den Landkreis Dillingen in München vertreten. Die Verbesserung der Infrastruktur zählt bis heute zu Ihren absoluten Herzensthemen. Deshalb zunächst einmal grundsätzlich, worum geht es bei Infrastruktur und warum ist diese für uns so wichtig?
GEORG WINTER: Im Kern geht es um die Schaffung von gleichwertigen Lebensbedingungen in Stadt und Land. Wir alle wollen, dass der Landkreis ein attraktiver Wohn- und Gewerbestandort bleibt, deshalb braucht es eine aktive Verkehrspolitik. Wir müssen beispielsweise dafür sorgen, dass die Beschäftigten in die Arbeit, die Schüler in die Schulen, die Handwerker auf ihre Baustellen und die Waren der Unternehmen an die Märkte kommen.
FRANZISKA HEIDEL: Was bedeuten diese Zielsetzungen für uns im Landkreis Dillingen?
GEORG WINTER: Die Verkehrspolitik im Landkreis Dillingen setzt auf einen Mix aus Verbesserung der Infrastruktur und guter Angebote bei Bus und Bahn. Deshalb sind sowohl der bedarfsgerechte Erhalt und Ausbau des Verkehrsnetzes einschließlich der Radwege sowie die Stärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) nötig. Wo sich Chancen durch Förderung von Bund, Bahn oder Staat bieten, sollten wir diese unbedingt nutzen.
SIEGFRIED NÜRNBERG: Die Verkehrswende ist in aller Munde. Schauen wir uns das anhand der einzelnen Handlungsfelder an. Was muss beim ÖPNV und der Schiene geschehen?
GEORG WINTER: Aktuell fördert der Freistaat die Gründung und Erweiterung von Verkehrsverbünden. Der Kreistag hat gemeinsam mit dem Landkreis Donau-Ries durch den Beitritt zum Verkehrsverbund Augsburg ab 1. Januar 2027 positive Weichen gestellt. In einem weiteren Schritt sollen die Verbünde München und Augsburg das südbayerische Nahverkehrsnetz bilden. Der große Vorteil, unsere Bürger können dann mit einem Ticket nach München und sogar bis zum Fuß der Zugspitze fahren. Ein wichtiger Schritt für unsere Region.
Dazu braucht es aber die Infrastruktur vor Ort. Mehrere Bahnhöfe an der Donautal-Linie sind bereits barrierefrei. Dies gilt es zeitnah fortzusetzen. Die nächsten sind Lauingen, Gundelfingen und Tapfheim. Auch in Blindheim sind mit dem Bau der geplanten Kreisstraßen-Unterführung spürbare Verbesserungen bei der Sicherheit und dem barrierefreien Zugang zu den Bahnsteigen verbunden.

FRANZISKA HEIDEL: Überregionale Verbindungen schön und gut, aber wie sieht es mit den Verkehrswegen innerhalb des Landkreises aus, beispielsweise beim Radwegenetz?
GEORG WINTER: Seit Jahren geht es uns darum, das Radwegenetz zu verbessern. Es freut mich, dass das von der CSU initiierte Finanzierungskonzept vom Kreistag, von Städten und Gemeinden wahrgenommen worden ist, so dass in den letzten Jahrzehnten ein beachtliches Angebot entstand. Es wird von den Bürgern und den Radtouristen sehr gut angenommen. Aktuell gibt es neue Chancen. 2023 ist es mir gelungen, im Landtag eine Förderung für selbständige Radwege gesetzlich zu verankern. Im Abschnitt Ziertheim-Mödingen mit der Fortsetzung von Wittislingen nach Lauingen findet dies bereits Anwendung. Der Ausbau vorhandener Verbindungswege trägt zur Reduzierung des Flächenverbrauchs bei und erschließt herrliche Landschaften.
SIEGFRIED NÜRNBERG: Blicken wir abschließend nach vorne, was müssen wir als kommunale Mandatsträger von Morgen für die Zukunft im Bereich Verkehr im Blick haben?
GEORG WINTER: Unsere seit langem elektrifizierte Donautal-Bahn, ein großer Gewinn für die gesamte Region. Ihr Schwachpunkt ist die Eingleisigkeit von Neu-Offingen bis Donauwörth und ihr Status als Nebenstrecke. Nur wenn die Kommunalpolitik mit anschiebt und die Bürger erkennen, dass Investitionen in mehr Sicherheit und Bedienungsfreundlichkeit notwendig sind, zum Beispiel in neue Signaltechnik und mehr Zugbegegnungspunkte, kann der Finanzierungsstau aufgelöst und die Bahn langfristig erhalten werden.
